Paul in der Wassermühle (31.5.-1.6.)

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Und dazu immer eine Prise britischer Humor.

Sein Name ist nicht so bekannt wie der von Joe Cocker, doch den Vergleich mit der Rock- und Blueslegende braucht Paul Millns keineswegs zu scheuen. Auch an treuen Fans mangelt es dem britischen Musiker nicht.

Blues und Soul einer besonderen Klasse erlebten die Zuhörer am Mittwoch und Donnerstag einmal mehr mit ihm in der Barrier Wassermühle. Dorthin hatte die Kulturinitiative Rüttelschuh eingeladen und bot dem Musiker bereits zum 16. Mal eine Bühne.

Paul Millns brachte in Barrien leichte Songs zur Unterhaltung, aber auch tiefgründige Lieder zu Gehör. Sensible Balladen, selbstkritisch und mit tiefgründigen Texten von „Gone Again“, das als jüngstes Album des Künstlers Ende 2013 erschienen ist, sowie ältere Werke präsentierte Millns mit reichlich Emotionen.

Melancholie und Sehnsucht war beispielsweise deutlich zu spüren, als der Künstler die Tasten des Klaviers zu seinem Song „Before The Rain Rolls In“ anschlug. Einen Kontrast dazu bildete „Happy Go Lucky Joe“, ein Lied, das von der Schönheit des Lebens berichtet und die Füße im Rhythmus mitwippen ließ.

In der Wassermühle hatten Gäste unter dem großen Zahnrad Platz genommen. Für sie bedeutete das Konzert einerseits Entspannung im passenden Ambiente, andererseits war es aber auch den Geist fordernd: Wer sich auf die Texte einließ, wurde mit Themen konfrontiert, die zum Nachdenken anregen. So scheute sich der Brite nicht, sich kritisch über den Brexit und Trump zu äußern, um anschließend mit „City Boy“ dem Publikum die verschiedenen Facetten seiner Heimatstadt London vorzustellen. Mit „Names On A List“ schnitt er im weiteren Verlauf des Konzerts zudem das Flüchtlingsthema an.

Dank kleiner Anekdoten aus seinem Leben, gepaart mit seinem Talent am Klavier, für das Millns Zwischenapplaus erntete, kam die Einzigartigkeit des Musikers zur Geltung. Und trotz, vielleicht auch gerade wegen der zahlreichen Moll-Klänge verbreitete sich eine warme Stimmung in der Wassermühle.

Neu war die Location für den 72-jährigen Musiker dabei nicht. Vielmehr gehört Millns in Barrien schon fast zum Inventar. Doch er schafft es immer wieder, die Wassermühle zu füllen – mit treuen Fans, die als Wiederholungstäter das Konzert verfolgten, ebenso wie mit Neugierigen, die sicherlich im Verlauf des Abends zu neuen Anhängern des Singer-Songwriters wurden. „Mein erstes Konzert vor vielen Jahren besuchte ich durch Zufall“, berichtete eine Sykerin im Publikum. Jetzt halte sie stets Ausschau, ob Millns wieder in der Nähe Station macht, um den Liedern des Bluesmusikers zu lauschen.

Zusatztermin wegen großer Nachfrage

War zunächst nur der Auftritt am Mittwoch vorgesehen, hatten sich die Veranstalter aufgrund der großen Nachfrage für einen weiteren Termin entschieden. Auch für das Zusatzkonzert hatte die Kulturinitiative unlängst „ausverkauft“ gemeldet. Einige Besucher hatten sogar Wege aus Osterholz-Scharmbeck, Bremen oder Delmenhorst in Kauf genommen, um Millns live zu erleben.

Mit mehr als 40 Jahren Bühnenerfahrung weiß Millns, was die Besucher wollen: eine Live-Performance mit kraftvoller Musik, einfühlsamen Texten und dem britischen Humor, mit dem er zwischen den Stücken die Stimmung lockerte. Dabei wurde deutlich, dass Millns auch sein eigenes Wirken mit einem Augenzwinkern sieht. So kündigte er „Tangled up in Stars“ als „Schlaflied“ an.

Doch Millns kann auch ganz anders: Bei Beiträgen wie „Nobody home“ hielt es einige Zuhörer nicht mehr auf den Stühlen – was Millns, den Christiane Palm-Hoffmeister vom Vorstand der Barrier Kulturinitiative als „Lieblingskünstler“ bezeichnete, mit einem wohlwollenden Lächeln quittierte.

Barrien-Von Anika Bokelmann.